Über die 4 Intermezzi



"Wellen" könnte man vielleicht als Überschrift über die 4 Intermezzi setzen- große Wellen, kleine Wellen, Wellen, die sich überlagern, brechen, die manchmal unter der Oberfläche laufen, Energie, die sich aufstaut und entlädt, ein Moment der Katharsis.
Manchmal folgt auf eine Katastrophe sofort die nächste, manchmal denkt man, dass es gleich wieder knallt, aber es kommt etwas ganz anderes.

Und dann kann es passieren, dass man in all den Wiederholungen eine Sache, die man zu kennen glaubte, mit neuen Augen sieht. Und dass eine Wiederholung- wenn man bereit ist, genauer hinzusehen- keine Wiederholung ist.


Intermezzo 1: 

Aus dem Motiv in Takt 1 bzw. der Tonreihe, aus der dieses gebildet wurde, leitet sich fast das gesamte Material der 4 Intermezzi ab:
 

6 Töne, chromatisch im Umfang einer Quarte angeordnet, bilden- mit Tonwiederholungen- die aus insgesamt 20 Tönen bestehende Reihe. Das erste Intermezzo, seiner Form nach am ehesten eine Fuge, folgt in den einzelnen Themeneinsätzen der Architektur der Reihe: der 2. Einsatz (Takt 2) ab As, der 3. wieder ab G, der 4. ab B usw.- die Transpositionen des Motivs richten sich nach den einzelnen Tönen, aus denen dieses besteht.

Etwa ab der Mitte werden die Themen ineinander verzahnt (die erste Engführung erfolgt im Abstand von fünf, die zweite im Abstand von drei Viertelnoten) und das Stück endet damit, dass die letzten vier Einsätze (A, B, H und As) gleichzeitig erklingen (die Motive ab A und As erscheinen gespiegelt):

Es erfolgt also eine Bewegung von nacheinander zu gleichzeitig.

 (Als retardierendes Moment wird vor dem Schlussteil in einem Solo der 4. Gitarre das Motiv in einer Ganztonreihe entwickelt.)

 

Intermezzo 2: 

Das Thema dieses Stückes entsteht durch Spiegelung der Reihe (mit Tonwiederholungen zu Beginn):

Außerdem werden Moll-Pentatoniken ab G, B, Des und E verwendet. (Diese vier zentralen Töne sind auch die einzigen Startpunkte für Transpositionen des Themas.)



Intermezzo 3: 

Der Versuch, auf lockere Art und Weise gewisse Aspekte der südindischen Melodik bzw. das System der südindischen Ornamentierungen (Gamakas) zu imitieren, bildet die Grundlage dieses Stücks. 

In einem (etwa 5-minütigen) Intro (Form: AABAA) wird durch Kombination von Material aus dem 1. Intermezzo (Thema in Ganztonreihe) und dem 2. (Spiegelung der Reihe) eine Tonleiter entwickelt:
 

Über einer weitgehend statischen Begleitung im 11/4-Takt (Nachahmung der Tampura, eines sehr obertonreichen indischen Saiteninstruments, das mit monotonem Bourdon-Klang den Hintergrund fast aller klassischen indischen Kompositionen bildet) spielen je 2 Gitarren unisono die stark ornamentierten Melodien, die aus dieser Tonleiter abgeleitet werden. 

Nachdem beide Gitarren-Paare ihre Melodien vorgestellt haben, endet der modale Charakter des Stücks. Ein eher dichter Teil klärt sich langsam und das Bottleneck-Motiv aus dem B-Teil des Intros (Des-Moll-Pentatonik) kehrt zurück.

Das Stück endet mit der Imitation eines Mukthayams (einer südindischen Komposition- oft für Percussion-Ensemble-, die mit Verschachtelungen und Akzentverschiebungen arbeitet) in Bass und Schlagzeug, kombiniert mit einer Choralharmonisation der Reihe in den Gitarren.

 

Intermezzo 4: 

Ebenso wie im 2. Intermezzo werden in diesem Stück großteils verzerrte Gitarren verwendet. Die Reihe erscheint vor allem als Krebs und Krebsumkehrung. Hier der Krebs, welcher u.a. in der Exposition des Stücks verwendet wird:
 

Die beiden Zentraltöne sind E und B.  

 


Übersicht Zentraltöne: 

Intermezzo 1: G
Intermezzo 2: G
Intermezzo 3: G + Des
Intermezzo 4: E + B

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